Der Curly

ist eine elegante und anmutige Retriever-Rasse, innerhalb der Familie ein humorvoller Clown, der gerne spielt und viel Spass mit Kindern hat. Er besitzt ihnen gegenüber eine instinktive Sanftheit und Toleranz, auch wenn es mal wild beim Spielen zugeht.

Folgende Eigenschaften zeichnen die größte und älteste Retriever-Rasse aus:

  • Charakter: Familienhund, intelligent, vielseitig, wachsam 
  • Energie: mag viel Bewegung, liebt Wasser und Apportieren
  • Fell: hat dichte Locken, keine Unterwolle, ist sehr pflegeleicht


Geschichte und Ursprung

Der Curly Coated Retriever gilt als die Älteste aller englischen Retriever-Rassen. Die meisten Fachleute glauben, dass das harte, gelockte Fell vom altem English Waterdog stammt. Curlies sind in einer ihrem heutigen Erscheinungsbild ähnlichen Form seit Jahrhunderten bekannt - Drucke aus dem 18. Jahrhundert belegen, dass der Curly schon damals existierte. Die Rasse wurde 1854 vom englischen Kennel Club anerkannt, in Australien bereits einige Jahre früher. Ein Rasseverein wurde 1890 gegründet und der größtenteils noch heute gültige Rassestandard festgelegt. Der Hauptunterschied im Standard von damals und heute bezieht sich auf Größe und Gewicht, der Curly war früher etwas kleiner als heute.


Der Curly Coated Retriever existiert somit als registrierte Rasse nahezu unverändert seit mehr als 100 Jahren und ist als Rassetyp schon seit ca. 400 Jahren bekannt. In 1621 beschrieb Gervase Markham die "best Water Dogge" als schwarz oder leberfarben, starke und schnelle Schwimmer mit langem gelocktem Fell. 

Einsatz und Gebrauch

In ihrer Spitzenzeit vor ca. 90 - 100 Jahren war die Rasse überaus populär. Jeder Förster und Wildhüter in England und Schottland besaß mehrere Curlies. Sie wurden für zwei Haupteinsatzbereiche genutzt: einmal als allgemeiner Jagdgebrauchshund, der in der Lage war, sowohl selbständig wie auch nach Einweisung zu arbeiten und zum zweiten als Schutzhund gegen Wilddiebe sowie zur Bewachung von Haus und Hof. Aufgrund ihrer starken Schwimmfähigkeiten wurden sie auch von den Norfolk Fischern und Seeleuten zum Ausbringen und Einholen von Netzen und Leinen eingesetzt - ihr Ruf als überragende Schwimmer hat sich in dieser Region bis heute gehalten. In Australien haben sie den Ruf als der Hund für die Entenjagd schlechthin und die australischen Farmer haben sich auf diese Rasse für den generellen Gebrauch - vom Viehtreiben über Wachhund bis zum Einsatz auf der Kängurujagd - verlassen, lange bevor dort von Labradors oder Golden Retrievern geredet wurde. Und sie tun dies größtenteils noch heute! In Neuseeland werden sie bis heute als Jagdgebrauchshund eingesetzt, die Skandinavier verwenden sie auch als Schlittenhunde und in einigen Ländern werden sie als Blindenhunde gebraucht. Wie man an der Vielzahl der Einsätze sehen kann, ist der Curly Coated Retriever ein Gebrauchshund par excellence und auch/trotzdem ein hervorragender Familienhund.

 
Ob seiner Vielseitigkeit war der Curly Coated Retriever einmal die populärste aller Retriever-Rassen, verlor aber um die Jahrhundertwende an Beliebtheit - derzeit sind in Europa nur ca. 2.000 Curlies erfasst, weltweit leider nur ca. 5.000. In Österreich wurden bisher gesamt 72 Curlies registriert (wieviele davon noch am Leben sind?), davon derzeit nur 2 Zuchthündinnen inkl. meiner Bachiga und 1 Zuchtrüde.
 
Die Vielseitigkeit des Curlies können wir aus eigener Erfahrung nur unterstreichen: zwei von Bachigas Brüdern sind geprüfte Blindenhunde, ein anderer Bruder ist Assistenzhund, Bachigas Halbschwester lebt in Deutschland als Rettungshund und ein Halbbruder hilft beim Viehtrieb. Schlittenhund sollten wir nächsten Winter mal ausprobieren, wir werden berichten… 😉

Charakter

Curly Coated Retriever sind unglaublich vielseitige, charmante und lustige Familienhunde, die trotzdem gerne arbeiten und unterwegs sind. Auch die Kopfarbeit ist wichtig, egal ob Nasen- oder Dummyaufgaben, Mantrailing oder Tricktraining – es wird nie langweilig. Curlies können Fremden gegenüber zurückhaltender sein als die anderen Retriever-Rassen und haben auch ihren Wachinstinkt behalten. Sie sind umgekehrt unglaublich kinderlieb, zeigen instinktive Sanftheit und Toleranz gegenüber den Kleinen, egal wie wild es zugeht. Bachiga liebt unsere kleine Tochter, macht alles was die Kleine sagt und freut sich jeden Tag, wenn sie sie endlich wiedersieht. Die Rasse ist sehr Nähe bedürftig und braucht Familienanschluss, ist daher nicht für die Zwingerhaltung geeignet. 

Curly Coated Retriever sind „Spätentwickler“, sie werden erst mit 3 Jahren richtig erwachsen. Aufgrund dieses langsamen Wachstums kombiniert mit der hohen Intelligenz und den oft lustigen eigenen Ideen, sollte der Curly mit viel Zeit, Geduld und liebevoller Konsequenz erzogen und trainiert werden. Unter diesen Voraussetzungen bringt die Arbeit mit dem Curly sehr viel Freude und einen Hund von großer Ausdauer, mit dem Willen zur selbständigen Arbeit, der nie aufgibt. 

Fellpflege

Der Curly Coated Retriever ist ein extrem pflegeleichter Hund, am ganzen Körper mit dichten Locken in schwarz oder braun bedeckt (mit Ausnahme der Maske, den Hinterläufen vom Sprunggelenk abwärts und der Front der Vorderläufe, die kurz und glatt behaart sind).  Bürste oder Kamm werden fast nie verwendet, gelegentlich das Fell etwas angefeuchtet (oder schwimmen lassen) und mit den Fingern durchmassiert, das reicht. Entgegen aller Gerüchte wechselt auch der Curly zweimal jährlich das Fell (zumindest unsere Bachiga), allerdings in Lockenbällchen…sehr praktisch zum Einsammeln 😁. 

Gesundheit

Der Curly Coated Retriever ist ein sehr robuster Hund, es scheint deutlich weniger gesundheitliche Probleme als bei anderen (Retriever-)Rassen zu geben. 
Erbliche Augenerkrankungen (PRA-progressive Retinaatrophie und HC-hereditärer Katarakt) sind bekannt, aber nicht weit verbreitet. Gelenkkrankheiten sind ebenso nicht häufig, es gibt nur ganz wenige Fälle von akuter HD, auch nicht bei älteren Hunden, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben. Das Hauptproblem ist "das Fellproblem", das sich in symmetrischen nackten Flecken bzw. Stellen zeigen kann, leider aber noch nicht ausreichend untersucht ist.